Wann verabschieden sich die Amerikaner von Skidder, Feller Buncher, Knuckle Boom Loader und Swing Machine? Oder anders gefragt: Wann haben die aus Europa bekannten und selbst in Südamerika immer stärker verbreiteten Rad-Harvester und Forwarder in den USA und Kanada ihren Durchbruch? Während der Pressereise Ende September zu den John Deere Werken in Dubuque/Iowa und Moline/Illinois sowie Forstunternehmern in Atlanta/Georgia kam es immer wieder zu Vergleichen zwischen den unterschiedlichen Holzerntesystemen. Schon allein die Verkaufszahlen der amerikanischen Forstmaschinensparte von John Deere belegen, dass man weiter am Langholz-System festhalten wird. Besonders der Südosten der USA – mit seinen Southern Pine Beständen Hauptabsatzgebiet für Forsttechnik – setzt weiterhin auf die traditionelle amerikanische "Holzerntekette": Holzeinschlag mit dem Feller Buncher – meist mit Radantrieb – der die Stämme direkt anfährt. John Deere hat 2005 die beiden Modelle 643J und 843J überarbeitet. Der neue Bündler –Kopf kann 20% mehr Stämme fassen. Der maximale Stammdurchmesser liegt bei 56 cm. Die besonders in den fast subtropischen Südstaaten wichtige Motorkühlung hat John Deere überarbeitet.
Bodendruck scheint für die Waldbesitzer im Südosten der USA kein Thema zu sein. Die sandigen Böden würden eine flächige Befahrung, wie sie bei den Vierrad-Fällerbündlern zwangsläufig stattfindet, problemlos verkraften, ist man bei John Deere überzeugt. Mit den Investitionen in der russischen Holzindustrie rechnet man auch dort mit Chancen für die Vierrad-Maschine. In Nordamerika werden jährlich 900-1000 Maschinen diesen Typs verkauft.
Feller Buncher – Raupenlaufwerke setzen sich durch
Müssen viele dünne Stämme "eingesammelt" werden, werden meist Fällerbündler mit Raupen-Fahrwerk eingesetzt. Hauptverbreitungsgebiet sind der Nordwesten der USA und der Westen Kanadas. Bei John Deere sieht man einen Trend weg von der Rad-Maschine hin zum Kettenfahrzeug. Die Verkaufszahlen haben im vergangenen Jahr um 1,5% auf 500 Stück zugelegt. Durch die Endlos-Rotation von Kran und Kabine können die Maschinen auch in Durchforstungen oder außerhalb der Kahlschläge eingesetzt werden. Dies gilt besonders für die Kurzheckmodelle 703G, 753G und 759G, die beim Drehen kaum über das Fahrwerk hinausragen. Für die Arbeit am Hang hat John Deere die neuen Feller Buncher-Modelle 759G, 903J und 953J mit Tiltkabine im Programm.
Der Grund für die weitere Verbreitung der Bündler mit Raupen-Laufwerk gegenüber den Radmaschinen in Kanada liegt auch an der Eigentümerstruktur der Wälder. Im Südosten der USA handelt es sich meist um Privatwald. In Kanada wird meist in öffentlichen Wäldern eingeschlagen wird, die unter entsprechender Beobachtung stehen.
Skidder – allein die Kraft zählt
Die rudimentäre Ausstattung der Skidder überrascht europäische Besucher immer wieder. Kran oder Drehsitz sucht man vergebens. Auch beim Getriebe hat man in Nordamerika nach wie vor keine großen Ambitionen. Die meisten Forstunternehmer setzten nach wie vor auf den Direktantrieb über Powershift. "Die Unternehmer wollen einfach die maximale Kraft auf den Boden bringen", begründete Cliff Caudill, Manager of Product Marketing auf dem Demonstrationsgelände in Coal Valley die Entscheidung. Nur im sumpfigen Gelände kommen Wandler zum Einsatz. Die Skidder sind in den USA reine Fahrmaschinen, die das vom Feller Buncher abgelegte, unentastete Holz mit dem Greifer packen und an den Abladeplatz ziehen, an dem der Knuckleboom Loader steht. Nicht selten baut sich der Skidder dabei mit den Stämmen eine "Straße" in den Bestand. Bis auf das Top-Modell 848GIII mit 209 PS bietet John Deere die Rückezangen nur mit Hubzylindern (Single Arch) oder mit Hub- und Druckzylindern (Dual Arch) an. Letztere Variante hat besonders in hügeligem oder nassem Gelände Vorteile, da der Fahrer sich selbst mit dem Greifer voran schieben kann. Insgesamt schätzt man bei John Deere den nordamerikanischen Skiddermarkt auf jährlich 2000 Exemplare, mit leicht fallender Tendenz.
Wie beim Rad-Feller Buncher hat John Deere auch bei den Skiddern die Motorkühlung überarbeitet. Die Frischluft wird nun direkt an die Kühlelemente gesaugt und streicht nicht mehr vorher an heißen Motorbauteilen vorbei.
Für Schubentaster, Holzrückung, Straßenbau oder Prozessor – die Swing Machine ist immer richtig
Richtig amerikanisch wird es, wenn für die Holzrückung die Swing Machine zum Einsatz kommt. Swin Machines sind die universellen Geräteträger schlechthin: Schubentasteter, Prozessoren, Grablöffel für den Wegebau oder Greifer zum LKW beladen. In sumpfigen Gebieten oder im Bergwald wird das Gerät auch als Rückemaschine beim sogenannten "Shovel Logging" eingesetzt. Die Swing Machine fährt in Serpertinen über die Hiebsfläche. Mit dem über 14m langen Greifarm schwingt die Maschine die Baumstämme von Fahrlinie zu Fahrlinie, bis die LKW-Straße erreicht ist. Die Rückekosten sollen so unter den denen eines Seilkrans oder gar denen der Hubschrauberbringung bleiben. Eine Variante des "Shovel Logging" ist der kombinierte Einsatz von Feller Buncher, Swing Machine und Skidder. Der Feller Buncher legt mit den gefällten Stämmen eine Rückegasse an und fällt die links und rechts stehenden Bäume. Die Swing Machine schenkt das Holz auf die Gasse und der Skidder transportiert ab.
Knuckleboom Loader – vom Wald auf die Straße
Schon fast archaisch wirkt der Knuckleboom Loader mit Kappsäge und Entaster, der auf der LKW-fahrbaren Straße positioniert ist. Mit einer simplen Entastungsvorrichtung und Kappsäge wird Baum aufgearbeitet und auf den LKW verladen. "Seit 50 Jahren hat sich das System bewährt", begründet Cliff Caudill die Kaufentscheidung von jährlich 1100 Unternehmern die auf dieses Konzept setzen. Die gegenüber einem Prozessor um bis 40% niedrigerer Ausbeute werde durch die niedrigen Anschaffungskosten aufgewogen, bei John Deere spricht man von 200.000 US$ gegenüber 400.000 US$.
Chancen für Ketten-Harvester, europäische Forsttechnik in Ost-Kanada
Besonders am Rad-Fellerbündler und am Knuckleboom Loader läst sich gut zeigen, warum die skandinavische Kurzholztechnik mit ihren ausgefeilten Elektronik- und Hydrauliksystemen in Nordamerika nicht durchsetzt. "Keep the machinery simple", die Forstunternehmer wollen mit einfachen, robusten und günstigen Maschinen in den Wald. "Simple" lässt sich in diesem Zusammenhang durchaus auch mit "simpel" statt "einfach" übersetzen.
Obwohl die Bereitschaft der amerikanischen Holzindustrie, für die Stammoptimierung zu zahlen, nach wie vor gering ist, steigt die Zahl von Kettenharvestern. Nach den jüngsten Umfragen sollen im vergangenen Jahr in Nordamerika 300 Stück verkauft worden sein, die Gesamtzahl wird auf 800 geschätzt.
Abgesehen vom Osten Kanadas, wo die europäische Forsttechnik inzwischen Fuß gefasst hat, scheint in Nordamerika auf längere Zeit die Ganzbaumethode das weiterhin vorherrschende Verfahren zu sein. Selbst wenn das skandinavische Kurzholzkonzept einen amerikanischen Forstunternehmer überzeugt, scheitert es meist an den teureren Kosten. Die besonders in der Anschaffung teure europäische Technik macht sich nicht schnell genug bezahlt.
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