Fast hätte man auf dem 10. Forstlichen Unternehmertag am 30. März in Freising den Eindruck haben können, die Forstunternehmer und Fuhrleute in Bayern hätten nur die Wahl zwischen Pest und Cholera. Soll man sich zukünftig in die Fänge der UPM-Einschlagsorganisation Lignis von Ludwig Lehner begeben?
Oder doch lieber dem Werben des Chefs der Bayerischen Staatsforsten (BaySF), Dr. Rudolf Freidhager, nachgeben. Dieser stellt zwar Fünfjahresverträge mit all-inclusive Rundumversorgung in Aussicht. Kritik der Forstunternehmer am aktuellen Preisniveau bügelt er aber gleich mal wenig charmant und ohne viel österreichischen Schmäh nieder. Unmissverständlich gab er Maurizio Longo, Einsatzleiter beim niederbayerischen Forstunternehmen Vilser zu verstehen, dass wohl künftig besser der Staatsbetrieb für die höhere Auslastung des freien Unternehmers sorge. Freidhagers einfache Formel "mehr Auslastung, mehr Geld" war einigen Forstprofis zu einfach.
Deutlich mehr Kredit als Freidhager hat allerdings Ex-Unternehmensberater Ludwig Lehner in Freising verspielt. Sein Anspruch auf Unfehlbarkeit, wenn es um die Organisation der Logistik vom Wald ins Werk geht, stieß nicht nur BaySF-Mitarbeitern, sondern auch Geschäftführern von Forstbetriebsgemeinschaften, Waldbesitzern und Forstunternehmern sauer auf. "Die Logistik kann nur der Verarbeiter optimieren", haben viele Teilnehmer Lehner als Bevormundung ausgelegt. Auch stellte sich mancher nach Lehners Auftritt die Frage, ob bei der Rundholzversorgung des neuen Binder-Sägewerks in Kösching eher der Schwanz mit dem Hund wackelt. Lehner wollte keinen Zweifel daran lassen, dass nur sein Unternehmen in der Lage sei, die Rundholzversorgung für das Großsägewerk zu stemmen. Folge: Lehner hinterließ Zweifel. Oder zeigt der Rundholz-Tycoon wegen der frei-Werk-Lieferungen der BaySF an Binder bereits Nerven?
Ein Wort noch zum in Freising viel strapazierten Begriff der Partnerschaft. Weder Freidhager noch Lehner gelang es, das Vertrauen der Forstunternehmer zu gewinnen. Schon allein das Geplänkel auf Du-Basis zwischen Großsäger Reinhard Binder, Ludwig Lehner und Rudolf Freidhager hat das Vorurteil vieler Praktiker wieder aufleben lassen, dass "die da oben über unser Schicksal bei ein paar Flaschen Wein entscheiden."
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