Auch bei der 10. Ausgabe des Forstlichen Unternehmertages ist es Prof. Walter Warkotsch wieder einmal nicht gelungen ist, die Forstunternehmer in großer Zahl nach Freising-Weihenstephan zu locken. Dafür nutzen immer mehr Rundholzeinkäufer der Holzindustrie, Geschäftsführer von Forstbetriebsgemeinschaften oder Leiter privater und kommunaler Forstverwaltungen den Branchentreffpunkt. "Es gibt heute in der Forstwirtschaft mehr Unternehmer als nur Forstunternehmer", pariert Warkotsch der Kritik an der geringen Zahl von Forstunternehmern. Auch ein Blick in die Annalen zeigt, dass der Forsttechnik - Professor bereits beim ersten Unternehmertag 1997 konsequent von der Kontaktbörse zwischen Unternehmern – nicht Forstunternehmern – und der Wissenschaft gesprochen hat.
Direkt zu
Wie bequem ist der Schoß der BaySF?
Schnittholz verkaufen statt Rundholz transportieren
NavLog vs. Logiball: Konkurrenzkampf beim Navigationssystem
Energieholz: Verfahren die sich rechnen

Referenten und Organisatoren des 10. Forstlichen Unternehmertages in Freising-Weihenstephan: (v. li.) Franz Eder, ZE-Holzsysteme, Bernhard Denkinger, WFW Forstmaschinen, Reinhard Binder, Binder Holz, Rudolf Freidhager, BaySF, Alexander Eberhardinger, Organisator Unternehmertag, Stefan Wittkopf, Bayerisches Landwirtschaftsministerium, Martin Hemm, Organisator Unternehmertag, Prof. Walter Warkotsch, Erfinder des Unternehmertags
Wie bequem ist der Schoß der BaySF?
Der Unternehmertag 2006 war geprägt vom Werben um Vertrauen. Dr. Rudolf Freidhager , Vorstandsvorsitzender der Bayerischen Staatsforsten (BaySF), will Forstunternehmer möglichst langfristig an den Staatsbetrieb zu binden. In Freising versuchte er sein Konzept des "virtuellen Unternehmens" schmackhaft zu machen, in dem die BaySF gemeinsam mit Holztransporteuren und Einschlagsfirmen die Holzerntekette bis zum Werkstor organisieren. Unter dem Motte "Beliebigkeit raus, Verbindlichkeit rein" seien aber alle Beteiligten in der Pflicht. Für die von Freidhager angestrebten Frei-Werk-Lieferungen müssen Forstunternehmer laufend Daten über den Arbeitsfortschritt liefern, Harvester möglichst täglich. "Anrufe von Frächtern, man könne morgen doch nicht kommen, sind kein Zugang zum virtuellen Unternehmen", konkretisierte Freidhager, was er unter Verbindlichkeit versteht. Für den Forstbetrieb bedeute dies aber auch, zuverlässig für Arbeitsaufträge zu sorgen. Freidhager lies keinen Zweifel daran, dass nur die Bayerischen Staatsforsten in der Lage sind, die Nutzungen für die Forstunternehmer so zu bündeln, dass Harvester und Forwarder im Wald arbeiten und nicht auf der Straße transportiert werden.
Auch mit der Sägeindustrie will Freidhager in längerfristige Geschäftsbeziehungen. "Das quartalsweise Zocken um die Rundholzpreise kann kein Zugang sein", gab er den zahlreichen Rundholzeinkäufern in Freising mit auf den Weg.

Braucht es einen Moderator (Prof. Warkotsch mi.) zwischen Forstbetrieb (Freidhager li. ) und Holzindustrie (Binder re.)?
Schnittholz verkaufen statt Rundholz transportieren
Unterstützung bekam der BaySF-Chef von Reinhard Binder, als geschäftsführender Gesellschafter von Binder Holz für Rundholzeinkauf und Logistik verantwortlich. "Wir waren schlechte Frächter", berichtet Binder von seiner Zusammenarbeit mit den Österreichischen Bundesforsten (ÖBf). Der Schritt, den eigenen Fuhrpark stillzulegen und sich vom Forstbetrieb frei Werk beliefern zu lassen, hätte sich für ihn ausgezahlt. Auch Binder plädierte für langfristige Rundholz-Lieferverträge. Die österreichischen Binderwerke würden zu 80% über mehrjährige Vereinbarungen versorgt. "Es sind immer die gleichen Sägewerke, die ohne Holz dastehen", spielte Binder auf die witterungsbedingte Rundholzknappheit in Österreich an.
Die Vorteile der Rundholzversorgung für das neue Binder-Sägewerk in Kösching bei Ingolstadt über UPM Forest CE sieht Binder in einer höheren Auslastung der Fuhrunternehmer, da mit dem Papierwerk in Augsburg ein entsprechendes Transportvolumen zu Verfügung steht. Auch bei der Holzbeschaffung könnten Synergien genutzt werden. Für den Betreiber des Großsägewerks besonders wichtig ist die Koordination der Anfuhr – in Kösching werden es immerhin 250 LKW/Tag im Vollbetrieb sein.
NavLog vs. Logiball: Konkurrenzkampf beim Navigationssystem
"Die gehören doch in einen Raum gesperrt, bis sie sich einig sind", reagierte ein FBG-Geschäftsführer verärgert auf den Konkurrenzkampf der Navigationssysteme Logiball und Navlog. Auf dem Unternehmertag wurde offensichtlich, dass der "Kartenzeichner" Logiball und der "Datensammler" Navlog künftig getrennte Wege gehen. Unternehmer, die moderner Informationstechnologie offen gegenüber stehen, befürchten nun, dass der Ausbau von einem Forstwege-Navigationssystem zu einem echten geografischen Informationssystem behindert und verteuert wird. Bodo von Unruh, Abteilungsleiter bei Logiball, konnte zwar als Neuheit die Anzeige von Höhenlinien präsentieren. Auch habe man deutschlandweit sämtliche nicht öffentlichen Wege integrieren können. Besonders LKW-Fahrer benötigen aber weitere Informationen – sogenannte Attribute wie Traglast von Brücken, Wende-Möglichkeiten, Abbiegerestriktionen oder Befahrbarkeit im Winter. Diese Anzeigen bietet Logiball bislang nur für Nordrhein-Westfalen an. Von den bislang 250 Logiball-Anwendungen wird der überwiegende Teil von Holzeinkäufern im PKW genutzt.
Streitpunkt zwischen Navlog und Logiball ist die Nutzung der meist von den Waldbesitzern und Forstverwaltungen erhobenen geografischen Daten. Bernhard Hauck von der KWF-Tochter NavLog warnte die Zuhörer davor, die Datenerfassung, -pflege und -bereitstellung in externe Hände zu geben. Nur Navlog könne sicherstellen, dass die Geodaten bei den Grundbesitzern bleiben. Die NavLog GmbH mit den Gesellschaft AGDW (Privatwald), Deutscher Städte- und Gemeindebund (Kommunalwald) und KWF (Staatswald) auf Waldbesitzerseite und Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher auf Holzindustrie-Seite hat sich zum Ziel gesetzt, detaillierte Daten ausschließlich der Branche zur Verfügung zu stellen. Von Unruh verweist dagegen darauf, dass bei Logiball der Lizenzgeber – sprich Waldbesitzer – die Nutzerkreise bestimmen kann. Darüber hinaus erhalten Waldbesitzer und Forstverwaltungen Gebühren dafür, dass sie die Daten zur Verfügung stellen. Die zusätzlich Einnahmequelle durch Lizenzgebühren aus digitalen Montainbike- oder Wanderkarten wird von den NavLog Gesellschaftern abgelehnt. Geschäftsführer Bernhard Hauck fürchtet zum einen zu viel Freizeitverkehr im Wald. Zum anderen sei der Verwaltungsaufwand, die 8% Gebühr pro verkaufter Navigations CD auf die einzelnen Waldbesitzer aufzuteilen, viel zu hoch. Statt der Lizenzgebühren haben die Waldbesitzer bei Navlog freien Zugang zu den Daten und können diese auf Logistik-Plattformen wie WinForst, LUKAS, GeoMail oder andere verwenden. Nach dem Unternehmertag betonte Hauck noch einmal, dass man Logiball Daten verkaufe. Voraussetzung sei allerdings, dass das Unternehmen die Daten nicht weitergebe.
Energieholz: Verfahren die sich rechnen

Wenn es nach Stefan Wittkopf geht, haben auf Forwarder montierte Hacker keine Chance
Viel Lob erhielt Dr. Stefan Wittkopf, ehemaliger Energieholzspezialist der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF), für seine klaren Empfehlungen zur Hackschnitzelproduktion. So hält Wittkopf wenig von reinrassigen Energieholzsammlern (siehe IHB-Artikel vom 11. August 2005: Elmia Wood: Energieholzsammler für Mitteleuropa?). Besonders in Durchforstungen sei es schwierig, die "12m langen Pinsel abzulegen." Auch warnt Wittkopf vor dem massiven Nährstoffentzug auf Grund der Vollbaumnutzung. Zielführender seien Harvesteraggregate mit drittem Greiferpaar, wie sie Log Max beim Modell 4000 AH anbietet. Die Bündel können zumindest grob entastet werden, die nährstoffreichen Äste und Nadeln bleiben im Bestand. Auch können die Bündel abgelängt werden.
Eine klare Absage erteilte Wittkopf Konzepten, auf der Rückegasse Hackschnitzel zu erzeugen: "Die Container sind zu schnell voll, die Shuttle kosten zuviel Geld und der Hacker ist im Pendelverkehr zwischen Rückegasse und Waldstraße nicht genügend ausgelastet." Um die Kosten Waldhackschnitzelerzeugung von 12 €/srm (Fällen, Rücken, Transport und Hacken bei BHD 16 cm) nicht aus dem Ruder laufen zu lassen, gibt es für den Experten nur einen Ort zum Hacken: Lagerplätze, auf denen gleich in den Container produziert wird.
Nicht jeder im Saal war allerdings mit Wittkopfs negativer Beurteilung der Biomassebündler einverstanden. So konnte Forstunternehmer Dietmar Reith von guten Erfahrungen mit dem Biomassebündler berichten. Während Wittkopf selbst eine LKW-Montage nach dem Vorbild von Atzingens in Mitteleuropa für unwirtschaftlich hält, sieht Reith den Vorteil in der leichteren Trocknung der Bündel anstatt Hackschnitzel. Die Kosten beziffert Reith mit 7,50 €/Bündel, er hält aber 4-5 €/Bündel für möglich.
|