| John Deeres Forstmaschinen-Bekenntnis |
| 06/11/2006 - 12:11 |
Die Schließung des Woodstock-Werks und das Verschwinden des Markennamens "Timberjack" im vergangenen Jahr hat auf dem amerikanischen Forstmaschinenmarkt im Vergleich zu Europa für deutlich mehr Aufsehen gesorgt. Wie hart man bei John Deere nun daran arbeitet, dass dem "Hirsch" genauso viel Vertrauen entgegen gebracht wird wie dem "Esel", davon konnten sich eine Gruppe internationaler Fachjournalisten Ende September überzeugen. Gezielt führte man die Journalisten in die Werke in Dubuque in Iowa, in dem nun die Lademaschinen und Kettenmaschinen wie Fällerbündler und Harvester vom Band laufen sowie in das Skidder- und Kabinen-Werk Davenport in Moline/Illinois. Während in Davenport bereits die gelben John Deere Skidder produziert wurden, betritt man im traditionsreichen Werk in Dubuque mit Forstmaschinen Neuland.
Verantwortung für das Timberjack-Erbe
Im Lauf der viertägigen Pressereise kam immer wieder das Gespräch auf den Namenswechsel von Timberjack zu John Deere. "Der Namenswechsel ist das endgültige Bekenntnis von John Deere zur Forstsparte", betonte Ensi Länsitalo, verantwortlich für den weltweiten Vertrieb und Marketing der John Deere Forstmaschinen. Dass es sich bei John Deere nicht um irgendeinen Land- und Baumaschinenhersteller handelt, zeigt sich spätestens, wenn Mitarbeiter erzählen, wie lange sie schon beim Unternehmen sind. 20, 30 oder zum Teil 40 Jahre sind keine Seltenheit. Trotz des für die USA üblichen Pathos wirken die "John Deereianer" authentisch. Den Forstunternehmern will man nun mit dem Namenswechsel signalisieren, dass die Forstmaschinen in der John Deere Familie aufgenommen sind. Die Botschaft, verantwortlich mit dem Timberjack-Erbe umzugehen, scheint besonders auf dem nordamerikanischen Markt eine wichtige Rolle in der Kommunikationsstrategie des Weltkonzerns zu spielen.
John Deere versucht in Nordamerika das Ohr nah am Kunden zu haben. Vorschläge der "Customer Advocate Group" fließen so schnell wie möglich in die Konstruktion ein. Ein Gruppe aus 150 Forstunternehmern wird bis zu 10 mal pro Jahr von John Deere-Ingenieuren besucht, um aus der Praxis mögliche Verbesserungen zu erfahren.
Russland und Brasilien: Konzerne statt Forstunternehmer kaufen Forstmaschinen
Abseits der pathetischen Bekenntnisse erwartet man sich auch auf den Wachstumsmärkten für Forstmaschinen mit dem Markennamen John Deere einen größeren Erfolg. In Brasilien, Russland, Indien und China ist das Logo des springenden Hirsches bei den Einkaufchefs der großen Konzerne einfach bekannter. Nicht nur dass man bei John Deere besonders in Brasilien und Russland die größten Wachstumschancen für Forstmaschinen sieht. Die Kaufentscheidung fällt in den großen Papier-, Zellstoff und Holzindustriekonzernen. Eine global bekannte Marke ist entscheidend. In Russland hat sich die Kurzholztechnologie mit Harvestern und Forwardern noch lange nicht durchgesetzt. Joint Ventures wie kürzlich zwischen Ilim Pulp und International Paper oder die Pläne chinesischer Unternehmen große Waldflächen in Sibirien zu erwerben, lassen große Forstmaschinen-Investitionen erwarten.
Für die Nutzung der russischen Holzressourcen – der Einschlag liegt mit 170 Mio. fm weit unter den Höchstständen der UdSSR (400 Mio. fm) – sieht man bei John Deere auch Chancen für amerikanische Forsttechnik. Fällerbündler mit Radantrieb wie der John Deere 843J oder Skidder mit dem für den nordamerikanischen Markt typischen Greifer könnten auch in Russland zur Mobilisierung der Holzvorräte beitragen.
Wachstumsmärkte Frankreich, Polen und Rumänien
In Europa sieht Timo Kyttälä, Marketingdirektor Europa und Russland, den größten Nachholbedarf an Harvestern und Forwardern in Frankreich, Polen und Rumänien. Der Anteil von Kurzholztechnologie an der gesamten Holzernte liege in Frankreich erst bei 30%, in Polen bei 5% und Rumänien faktisch bei 0%.
Um auch in Europa noch näher am Forstunternehmer zu sein, wird im finnischen Joenssu nahe der russischen Grenze für 2,6 Mio. € ein Kundenzentrum gebaut. "Für den Forstunternehmer ist nicht der Preis entscheidend, sondern die täglichen Betriebskosten", begründet Kyttälä die Investitionen in das Vertriebsnetz.
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| (IHB Fehrle Fotos: Fehrle) |
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